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3. Herr Knechter und das Wasser

„Nächste Woche kommst du mit zur Übungsstunde“. Chorleiter Knechter sagte das zu Jungbläser Leonard, doch er sah dabei nicht ganz glücklich aus. „Sie sehen so aus, als ob sie einen Frosch verschluckt hätten, bin ich so schlecht?“ „Nein, nein, mit dir hat das nichts zu tun. Oder sagen wir, du hast keine Schuld. Das Problem ist nur, dass ich dir ein Geheimnis anvertrauen muss.“ Leonard war ganz Ohr, Geheimnisse waren schon immer sein Ding.“ Nur frei von der Leber weg“, sagte er und man sah wie seine Augen funkelten.
„Du weißt doch, dass sich unsere Instrumente nach längerem Gebrauch mit Kondenswasser und Spucke füllen.“ „Ja und...“ „Wenn wir in der Kirche üben ist das kein Problem. Die Holzdielen sind sehr saugfähig und spätestens nächste Woche ist alles weggetrocknet.“ „Und wo ist das Geheimnis?“ „Wenn wir im Winter im Gemeinderaum üben ist das nicht so einfach. Das Linoleum saugt nicht besonders. Es ist uns auch noch nicht gelungen das Zeug als Bodenpflegemittel zu verkaufen.“ „Das ist doch kein Problem“, sagte Leonard „warum gehen denn nicht alle vor die Tür um Wasser zu lassen? Ich mache das doch jetzt zur Übungsstunde auch so.“ „Wir haben auch schon alle möglichen Dinge ausprobiert. Zuerst hatten wir Blechdosen, die sahen aber bald grün und braun aus und keiner wollte sie wegschaffen. Danach kam die Idee mit den Scheuerlappen. Doch auch nach wenigen Proben war keiner bereit, die Dinger mit spitzen Fingern zu entsorgen. Nach einer schlaflosen Nacht habe ich dann vorgeschlagen, dass wir Wasserpausen machen. Die Idee war großartig, doch der Teufel steckte im Detail. Einer hat öfter Wasser im Instrument als der andere, außerdem gluckert es nie bei allen gleichzeitig. Es dauerte  nicht lange, da waren die Wasserpausen ausgedehnte Schwatzpausen. Im nächsten Winter gibt es keine Wasserpausen, dachte ich, doch das Problem blieb ungelöst. Ich weiß nicht welcher Bläser es war, doch als wir wieder von der Kirche in den Gemeinderaum wechselten, nahm einer eine Blume aus dem Fenster und hat sie immer gegossen, wenn sein Instrument voll war. Diese Idee fand allgemeine Zustimmung. Jede Stimme holte sich eine Blume und die Tuba bekam eine extra. So haben wir unser Problem seit einigen Jahren gelöst.“ „Und was sagt Frau Pfarrer dazu?“ fragte Leonard. „Die weiß nichts davon und erfährt es auch hoffentlich nie. Es gab schon einige kritische Momente.“

Eines Tages, kurz nach Weihnachten hatten wir Bibelstunde. Es gibt da manchmal Augenblicke wo man vom Thema abschweift. In so einem Augenblick erzählte Frau Pfarrer, dass die Christsterne in diesem Jahr besonders große Qualitätsunterschiede hatten. Einer gedieh prächtig, ein anderer war eingegangen. Nach reiflicher Überlegung glaube ich heute, dass wir einen Christstern vernachlässigt hatten, das war sein Ende. Später einmal kam der Pfarrer zu uns und bat uns um Entschuldigung, seine Frau hätte keine Zeit gehabt um den Gemeinderaum zu säubern. Er wüsste aber, dass wir uns den Raum immer so schön dekorieren und die Blumen im Halbkreis vor die Bläser stellen, ihm tut es leid, dass der Raum nicht ganz in Ordnung ist.  Unser Pfarrer denkt nichts Böses von seinen Mitchristen.“ „Sie wollen also sagen, dass wir Frau Pfarrers Blumenstöcken unser Wasser opfern, sie zu Opferstöcken machen?“ - Leonard lächelte verschmitzt - „Ich halte dicht“.

Leonards erste Probe kam. Zunächst ging alles glatt. Der Christstern stand bei der ersten Stimme, das Alpenveilchen war das Patenkind der Zweiten. Der Tenor kümmerte sich um seine heißgeliebte Grünpflanze, der Baß kämpfte mit der Agave und die Tuba goss den Bonsai. Doch dann wurde alles anders. Der Bassposaunist beugte sich zur Agave und stach sich in den Finger. Er sprang auf und stürzte, mit der Posaune in der Hand, in die Ecke wo die Trockenblumen standen. Im Tenor hatte man die Situation zuerst erkannt. „Bruder Ihren Glauben möchte ich haben.“ Ein Bläser aus der ersten Stimme rief: „Wenn die Dinger grün werden, heißt das noch lange nicht, dass sie treiben“ Leonard dachte sich nur: „Wenn ich groß bin werde ich Erfinder, es muss doch noch eine bessere Lösung geben!!!“

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